Wer in Mitte lebt, kennt die Schlagzeilen über Taschendiebstahl am Alexanderplatz, Drogenkriminalität in Moabit oder Schlägereien rund um den Hauptbahnhof.[7] Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?
Wir haben den Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin (Stand 2025)[1] und die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024[2] ausgewertet und zeigen, wie sicher Mitte im Vergleich zu den anderen elf Berliner Bezirken ist, in welchen Kiezen die meisten Straftaten registriert werden und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat.
- Wie viele Straftaten gab es 2025 in Mitte?
- Mitte im Vergleich: So sicher ist der Bezirk gegenüber den anderen Berliner Bezirken
- Die häufigsten Delikte in Mitte
- In welchen Mitte Kiezen ist die Kriminalität am höchsten?
- Kriminalität im Zeitverlauf
- Wer sind die Tatverdächtigen in Berlin?
- Häufige Fragen zur Kriminalität in Mitte
- Quellen
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Mitte?
Im Jahr 2025 hat die Polizei in Mitte insgesamt 79.167 Straftaten[1] erfasst. Das sind 4.978 Fälle weniger als im Vorjahr (84.145 Straftaten in 2024), ein Rückgang um 5,9 Prozent.
Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist der Wert pro 100.000 Einwohner. Für Mitte lag er 2025 bei rund 19.920 und ist gegenüber 2024 (21.190) leicht gesunken. Mitte belegt damit Platz 1 von 12 im Berliner Bezirksranking.
Die Aufklärungsquote wird im Kriminalitätsatlas nicht bezirksweise ausgewiesen. Berlinweit lag sie 2024, dem letzten Jahr mit konsolidierter PKS-Auswertung, unverändert bei 45,5 Prozent.[2]
Wie sind die Zahlen pro 100.000 Einwohner zu lesen?
Die Polizei Berlin nutzt für ihre Statistiken die Bezugsgröße Straftaten pro 100.000 Einwohner. Sie macht Bezirke und Kieze unterschiedlicher Größe erst vergleichbar, weil sie die Bevölkerungszahl herausrechnet.[4] Eine reine Fallzahl sagt für sich allein wenig aus: ein großer Bezirk mit vielen Straftaten kann pro Kopf trotzdem sicherer sein als ein kleiner Bezirk mit weniger Vorfällen.
Mitte im Vergleich: So sicher ist der Bezirk gegenüber den anderen Berliner Bezirken
Im Bezirksranking nach Straftaten pro 100.000 Einwohner belegt Mitte 2025 Platz 1 von 12.[1] Damit gehört Mitte zu den am stärksten belasteten Bezirken Berlins, vor allem die Außenbezirke schneiden deutlich besser ab.
| Platz | Bezirk | Straftaten je 100.000 Einwohner (2025) |
|---|---|---|
| 1 | Mitte | 19.921 |
| 2 | Friedrichshain-Kreuzberg | 17.879 |
| 3 | Charlottenburg-Wilmersdorf | 13.162 |
| 4 | Neukölln | 12.555 |
| 5 | Tempelhof-Schöneberg | 10.577 |
| 6 | Spandau | 9.649 |
| 7 | Lichtenberg | 9.477 |
| 8 | Reinickendorf | 8.904 |
| 9 | Marzahn-Hellersdorf | 8.351 |
| 10 | Pankow | 8.305 |
| 11 | Treptow-Köpenick | 8.063 |
| 12 | Steglitz-Zehlendorf | 6.624 |
Mit rund 19.920 registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohnern ist Mitte der am stärksten belastete Berliner Bezirk und liegt mit rund 201 Prozent über dem sichersten Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
Die häufigsten Delikte in Mitte
Wie überall in Berlin macht Diebstahl auch in Mitte den größten Anteil aus. Mit Abstand auf Platz zwei stehen Körperverletzungen, auf Platz drei Sachbeschädigungen. Die Verteilung im Überblick:
| Delikt | Fälle 2025 | Je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|
| Diebstahl insgesamt | 35.989 | 9.056 |
| Körperverletzung insgesamt | 8.365 | 2.105 |
| Sachbeschädigung | 6.161 | 1.550 |
| Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung | 3.563 | 897 |
| Diebstahl an oder aus Kfz | 4.183 | 1.053 |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 2.522 | 635 |
| Wohnraumeinbruch | 907 | 228 |
| Fahrraddiebstahl | 4.243 | 1.068 |
| Rauschgiftdelikte | 2.699 | 679 |
| Diebstahl von Kraftwagen | 468 | 118 |
| Branddelikte insgesamt | 502 | 126 |
| Sachbeschädigung durch Graffiti | 1.007 | 253 |
| Raub | 854 | 215 |
| Straßenraub, Handtaschenraub | 514 | 129 |
| Brandstiftung | 142 | 36 |
Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:
- Diebstahl dominiert weiter. Mit 35.989 Fällen macht Diebstahl rund 45 Prozent aller registrierten Mitte Straftaten aus. Allein auf Kraftfahrzeuge entfallen 4.651 Fälle (Diebstahl an oder aus Kfz plus Diebstahl von Kraftwagen). Berlinweit liegt die Aufklärungsquote in dieser Deliktgruppe bei nur etwa 21 Prozent.
- Körperverletzung geht zurück. Die Veränderung von 8.885 auf 8.365 Fälle entspricht minus 5,9 Prozent. Die Aufklärungsquote ist mit rund 80 Prozent berlinweit allerdings hoch, weil sich Täter und Opfer oft kennen.
- Wohnungseinbruch zieht spürbar an. 907 Fälle bedeuten ein Plus von rund 16 Prozent gegenüber 2024 (780 Fälle). Berlinweit endet etwa jeder zweite Einbruch im Versuchsstadium.
- Schwerpunkte sind Alexanderplatz und Moabit Ost. Diese beiden Bezirksregionen stellen zusammen rund 21 Prozent aller Mitte Straftaten 2025, was angesichts ihrer Geschäftsstraßen und Verkehrsknoten plausibel ist.
In welchen Mitte Kiezen ist die Kriminalität am höchsten?
Mitte ist in 10 Bezirksregionen unterteilt.[6] Die Polizei weist Fallzahlen und Werte pro 100.000 Einwohner für jede dieser Regionen einzeln aus. Wer wissen will, wo die meisten Straftaten registriert werden, sollte beide Zahlen kennen: die absolute Fallzahl zeigt das Geschehen, der Wert pro 100.000 Einwohner rechnet die Einwohnerzahl heraus und macht den Vergleich erst fair.
| Rang | Bezirksregion | Fälle 2025 | Je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|---|
| 1 | Regierungsviertel | 6.326 | 46.179 |
| 2 | Tiergarten Süd | 5.198 | 31.960 |
| 3 | Alexanderplatz | 17.972 | 28.817 |
| 4 | Moabit Ost | 10.028 | 22.924 |
| 5 | Wedding Zentrum | 8.960 | 15.860 |
| 6 | Osloer Straße | 6.137 | 15.843 |
| 7 | Brunnenstraße Nord | 6.278 | 15.639 |
| 8 | Parkviertel | 6.419 | 13.792 |
| 9 | Moabit West | 5.898 | 12.611 |
| 10 | Brunnenstraße Süd | 3.430 | 10.508 |
Regierungsviertel ist 2025 die Bezirksregion mit der höchsten Kriminalitätsbelastung in Mitte. Ihre Quote von 46.179 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt 132 Prozent über dem Mitte Schnitt. Hier konzentrieren sich Geschäftsstraßen, Einkaufslagen und stark frequentierte Verkehrsachsen, an denen Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung am häufigsten registriert werden.
Am ruhigsten ist Brunnenstraße Süd. Mit 3.430 Fällen und 10.508 Straftaten pro 100.000 Einwohner verzeichnet die Region die niedrigsten Werte in Mitte.
Kriminalität im Zeitverlauf
Über die letzten zehn Jahre hat sich die Mitte Kriminalitätsentwicklung in einem Korridor zwischen 72.185 und 106.006 Fällen pro Jahr bewegt. Der Höchststand wurde 2016 mit 106.006 Straftaten registriert, der Tiefststand 2021 mit 72.185 Fällen.
Erfasste Straftaten in Mitte pro Jahr. Quelle: Kriminalitätsatlas Polizei Berlin.
Pro 100.000 Einwohner ist Mitte im Sinkflug. 2016 lag der Wert bei 27.498, 2025 bei 19.921. Heißt: pro Kopf werden heute rund 28 Prozent weniger Straftaten registriert als vor knapp zehn Jahren. Mitte ist im Schnitt also nicht unsicherer geworden, wohl aber bevölkerungsreicher.
Wer sind die Tatverdächtigen in Berlin?
Hinweis zur Datenebene
Die Polizei Berlin veröffentlicht Tatverdächtigen-Zahlen nur berlinweit, nicht auf Bezirksebene, und nur jährlich im PKS-Kurzbericht. Die folgenden Anteile gelten für ganz Berlin und beziehen sich auf den letzten verfügbaren Berichtszeitraum 2024. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Mitte übertragen.
2024, dem letzten Jahr mit vollständigem PKS-Bericht, hat die Polizei Berlin 143.534 Tatverdächtige ermittelt[2], 2.914 mehr als im Vorjahr. Wichtig ist die Tatverdächtigenbelastungszahl, also die Zahl der Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner. Sie ist 2024 leicht gesunken, von 3.045 auf 2.958. Die Bevölkerung wächst also schneller als die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen.
Auffällig ist der hohe Anteil reisender Tatverdächtiger. Nur 69,9 Prozent der in Berlin ermittelten Tatverdächtigen wohnen auch in Berlin, im Vorjahr waren es noch 72,7 Prozent. Knapp ein Drittel der Tatverdächtigen ist also als Tourist, Pendler, Geschäftsreisender oder Reisetäter in der Stadt.
Deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige im Vergleich
Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße, also abgesehen von Aufenthalts- und ähnlichen Delikten, die nur Nichtdeutsche begehen können, entfielen 2024 berlinweit[2]:
- 56,1 Prozent der Tatverdächtigen auf deutsche Staatsangehörige
- 43,9 Prozent auf nichtdeutsche Staatsangehörige (Vorjahr 43,2 Prozent)
Die Anteile schwanken je nach Deliktgruppe erheblich. Eine Übersicht für ausgewählte schwere Delikte:
| Deliktgruppe | Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2024) | Vorjahr (2023) |
|---|---|---|
| Wohnraumeinbruchdiebstahl | 70,8 % | 64,4 % |
| Raub | 55,3 % | 53,1 % |
| Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte | 44,6 % | 40,0 % |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 44,3 % | 42,9 % |
| Straftaten gegen die persönliche Freiheit | 39,2 % | 37,1 % |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 38,4 % | 35,9 % |
Besonders auffällig ist der Wohnungseinbruch: 70,8 Prozent der Tatverdächtigen sind nichtdeutsche Staatsangehörige, und 50,8 Prozent wohnen nicht in Deutschland. Der hohe Anteil reisender Täter ist seit Jahren bekannt und prägt diese Deliktgruppe stärker als jede andere.
Was ist mit dem Migrationshintergrund?
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, also den Pass, nicht den Migrationshintergrund einer Person. Ein in Berlin geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung "Deutsche mit Migrationshintergrund" gegen "Deutsche ohne Migrationshintergrund" gibt die PKS nicht her.
Wer dennoch einen längerfristigen Anhaltspunkt sucht, kann auf den Strafvollzug schauen. Wer im Gefängnis sitzt, ist verurteilt, nicht nur tatverdächtig, und kurzzeitige Touristen oder Geschäftsreisende fallen in dieser Statistik weg. Im Berliner Justizvollzug lag der Anteil nichtdeutscher Strafgefangener und Sicherungsverwahrter (einschließlich staatenlos und ungeklärt) am Stichtag 31. März 2023 bei rund 47 Prozent[3].
Von den nichtdeutschen Inhaftierten besaßen 60 Prozent eine europäische, 21 Prozent eine asiatische, 12 Prozent eine afrikanische und ein Prozent eine amerikanische Staatsangehörigkeit, sechs Prozent waren staatenlos.
Auch dieser Wert misst aber nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Eine bundesweit einheitliche Justizvollzugsstatistik nach Migrationshintergrund gibt es nicht.
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach polizeilichem Abschluss der Ermittlungen.[5] Eine spätere Verurteilung ist damit nicht ausgesprochen, jeder Tatverdächtige gilt bis zum Urteil als unschuldig.
- "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Siehe Erläuterung oben.
- Touristen, Reisende und Asylsuchende sind enthalten. Wer als Tourist beim Ladendiebstahl erwischt wird, taucht in der Berliner Statistik auf, obwohl er in Paris, Warschau oder Hamburg wohnt. Bei einigen Delikten erklärt das einen erheblichen Teil der nichtdeutschen Anteile, siehe Wohnungseinbruch mit 50,8 Prozent nicht in Deutschland wohnhafter Tatverdächtiger.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten kriminalitätsbelastete Gruppe. Da die in Berlin lebende nichtdeutsche Bevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist als die deutsche, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Tatverdächtigen-Anteile, ohne dass sich daraus eine Aussage über einzelne Personen ableiten ließe.
- Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnviertel und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Mitte
Welcher Mitte Kiez gilt als sicherster?
Mit 10.508 Straftaten pro 100.000 Einwohner ist Brunnenstraße Süd 2025 die sicherste Bezirksregion in Mitte. Die Fallzahl von 3.430 registrierten Straftaten ist auch absolut betrachtet die niedrigste im Bezirk.
Welcher Kiez hat die höchste Kriminalitätsrate in Mitte?
Regierungsviertel führt das Mitte Ranking 2025 mit 46.179 Straftaten pro 100.000 Einwohner an, gefolgt von Tiergarten Süd (31.960) und Alexanderplatz (28.817).
Wie sicher ist Mitte im Vergleich zu den anderen Berliner Bezirken?
Mitte liegt mit rund 19.920 Straftaten pro 100.000 Einwohner auf Platz 1 von 12 im Berliner Bezirksranking, vor Friedrichshain-Kreuzberg (17.879). Der Abstand zum sichersten Bezirk Steglitz-Zehlendorf (6.624) beträgt mehr als das Dreifache.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Berlin?
Eine bezirksspezifische Aufklärungsquote wird im Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin nicht veröffentlicht. Berlinweit lag sie 2024 bei 45,5 Prozent, unverändert gegenüber 2023. Bei Körperverletzungsdelikten erreicht sie rund 80 Prozent, bei Diebstahl dagegen nur 21,4 Prozent.
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Berlin?
Bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2024 berlinweit bei 43,9 Prozent. Der Wert ist gegenüber dem Vorjahr (43,2 Prozent) leicht gestiegen. Wichtig: die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund.
Werden in Mitte überdurchschnittlich viele Nichtdeutsche straffällig?
Eine bezirksbezogene Aufschlüsselung der Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit veröffentlicht die Polizei Berlin im Kriminalitätsatlas nicht. Die berlinweiten Anteile lassen sich nicht 1:1 auf Mitte übertragen, weil sich Sozialstruktur, Altersverteilung und Tourismusaufkommen vom Berliner Mittel unterscheiden.
Wie hat sich die Kriminalität in Mitte über die letzten Jahre entwickelt?
Die Fallzahlen bewegen sich seit 2016 in einem Korridor zwischen rund 72.185 und 106.006 Straftaten pro Jahr. Der Wert pro 100.000 Einwohner ist im selben Zeitraum von 27.498 im Jahr 2016 auf 19.921 in 2025 gesunken. Mitte ist gemessen an der Einwohnerzahl also tendenziell etwas sicherer geworden.