Stell dir vor, du pedaliere gemütlich über die Insel Sylt, der Wind peitscht ins Gesicht, und plötzlich taucht Erik Zabel neben dir auf, der Mann aus Ost-Berlin, der die Tour de France sechsmal in Folge mit dem Grünen Trikot beherrschte. Bei vergangenen Inselumrundungen auf Sylt war er als prominenter Mitfahrer angekündigt, gemeinsam mit Stars wie Denise Schindler. Auch ein anderer Sportstar aus Mitte, Jérôme Boateng, plant gerade die nächste Karrierephase.1
Der Sprinter aus dem Osten, der mit zwölf Etappensiegen und sechs Grünen Trikots zur Legende wurde, radelt heute nicht mehr um den Sieg, sondern um die Familie und alte Leidenschaften. Was treibt Erik Zabel 2026, diesen Sohn Ost-Berlins, der die Welt eroberte und nun im Hintergrund glänzt?
Von Ost-Berlin in die Welt und zurück?
Erik Zabel kam am 7. Juli 1970 in Ost-Berlin zur Welt und wuchs im Bezirk Marzahn auf, wo die Mauer noch die Welt teilte. Als junger Sprinter brach er nach der Wende auf, eroberte die großen Rennen, Vuelta, Tour de France, Klassiker wie Mailand-Sanremo, und wurde zum Inbegriff des deutschen Radsports. Zwölf Tour-Etappensiege, sechs Grüne Trikots in Folge, dazu drei Punktewertungen bei der Vuelta: Er war der König der Sprints, bis 2008 die aktive Karriere endete.
Doch der Bezug zu Berlin verblasste mit den Jahren. Im Rheinland wurde sein Revier, wo Canyon Bikes ihn als Botschafter holte. Kein Comeback in der Heimatstadt, keine Events im alten Bezirk, stattdessen ein Leben im Rhythmus der Pelotons, fernab der vertrauten Straßen seiner Kindheit.
Sein Fuhrpark aus Canyon-Rädern, gesammelt wie Trophäen, sorgt in der Szene für Gesprächsstoff. Es fühlt sich an, als ob ein Stück Ost-Berlin in jedem Pedaltritt steckt.
Im Hintergrund der großen Teams
Seit Dezember 2018 arbeitet Erik Zabel als Performance Manager, zunächst bei Katusha-Alpecin, dem damaligen Team seines Sohnes Rick, später unter dem Namen Israel-Premier Tech. Dort begleitet er Trainings und gibt sein Wissen aus 18 Profijahren weiter.
Auch nach dem Doping-Geständnis 2013, das ihn Ämter kostete, hielt sein Umfeld zu ihm. Neue eigene Projekte sind nicht bekannt, eher sporadische Auftritte wie auf Sylt, wo er Stars begleitet.
Performance Manager klingt trocken, doch in der Praxis gibt Zabel Tipps weiter, die Etappen entscheiden können. Sein Wissen wirkt im Hintergrund, ohne dass er ständig im Rampenlicht steht.
Die Familie im Fokus – Rick übernimmt die Bühne
Der größte Kick für Erik ist sein Sohn Rick Zabel, geboren 1993, Profi bis Mai 2024 bei Israel-Premier Tech. Sein Abschiedsrennen war Rund um Köln am 26. Mai 2024. Heute ist Rick als Content Creator und Podcaster aktiv und beschreibt die Phase nach dem Karriereende sinngemäß als Bonuszeit.2
Erik tritt öffentlich eher selten in Erscheinung, im Vordergrund steht inzwischen Rick mit eigenen Online-Formaten. Vater Erik bleibt im Hintergrund.
Persönlich bleibt er diskret. Es geht ums Radeln, ums Familiäre, ein ruhiges Leben nach den Stürmen.
Kein lauter Applaus, aber treue Fans
Öffentliche Auftritte sind rar: gelegentliche Events wie auf Sylt und Diskussionen in Fanforen über sein Material. Auf Social Media ist er deutlich zurückhaltender als Rick. Fans erinnern sich an Highlights wie seine Vuelta-Etappensiege und blenden die Doping-Schatten seit 2013 oft aus.
Aktuelle Kontroversen oder große Schlagzeilen sind in den letzten Jahren nicht bekannt. Stattdessen harmlose Diskussionen in der Szene über sein aktuelles Material. Es fühlt sich intim an, wie ein Gespräch unter Radfahrern.
In Berlin, wo alles begann, fehlt er. Vielleicht radelt er mal inkognito durch die alten Straßen seiner Kindheit. Ein Held der Stadt, der fernab blieb.
Ausblick: Still ruft das Rad
Was kommt für Erik Zabel? Neue eigene Projekte sind in den Quellen bis 2026 nicht zu finden, aber mit Rick im Online-Geschäft und seiner Rolle im Profiteam bleibt er im Spiel. Vielleicht weitere Events, vielleicht einfach mehr Zeit mit der Familie und mehr Kilometer auf Pfaden wie auf Sylt.
Aus Ost-Berlin kam der Junge, der die Welt sprintete. Heute, mit 55, genießt er den Wind im Rücken. Für uns in Berlin ist er der ewige Sprinter, nahbar, legendär, immer auf Tour.